Kulturelle Patzer – Begrüßungsrituale

Neulich auf einer Wohneinweihungsparty: Ich betrete den Raum, sage „Hi“ in die Runde und dann: „Nice to meet you.“ Genau so, wie ich es in sieben Wochen USA-Aufenthalt gelernt habe. Um mich herum bricht nervöses Gekicher aus, einer sagt: „You mean all of us?“ Klar meine ich euch alle. Aber inzwischen habe ich gelernt: Diesen Satz darf man nur zu einer Person sagen. Man muss reihum gehen und es zu jedem einzeln sagen, so ein genereller, zeitsparender Rundumschlag kommt nicht so gut.

Ganz ehrlich? Ich versteh’s nicht. Für mich ist es genauso ehrlich oder unehrlich, diesen Satz zu einer Gruppe zu sagen, wie zu einer einzelnen Person. Es ist ja in erster Linie ein Begrüßungsritual, denn wie groß die Freude am Ende wirklich ist, weiß ja vorerst noch keiner. Aber wie bei allen kulturellen Besonderheiten kann man eben auch beim Begrüßen Dinge falsch machen, so dass sie komisch klingen.

Die gute Sache: Hier trägt einem das keiner nach oder ist pikiert. Die Leute hatten ihren Lacher, ich hatte einen kurzen Ich-geh-dann-mal-lieber-Moment und habe mich anschließend trotzdem noch prächtig amüsiert. Amerikaner machen es einem wunderbar leicht, ins Gespräch zu kommen. Oder, wie es ein anwesender deutscher Programmierer ausdrückte: „In Deutschland bin ich eigentlich ziemlich zurückhaltend. Aber hier habe ich überhaupt keine Scheu, Menschen anzusprechen. Und zwar deshalb, weil sie einen anlächeln und damit signalisieren, dass sie offen sind.“

Foto: fazen / flickr.com (CC BY 2.0)

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5 Gedanken zu „Kulturelle Patzer – Begrüßungsrituale

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