„Auf der 280 nach Santa Cruz.“ „Nee, auf der 1.“

Santa Cruz klingt nach Strand, Sonne, Wind, Cocktails.

Erstmal geht’s mit dem Calltrain nach Redwood City.

Auch Redwood City klingt schon nach Urlaub, Stadt der roten Wälder. Aber uns zieht es ja nach Santa Cruz.

Eine langhaarige Blondine (ehrlich wahr) sammelt uns mit ihrem roten new New-Beatle ein und die rasante Fahrt an die Pazifikküste startet.

Die Blondine kannte zuvor keiner von uns; Unser Bekannter Louis hatte uns nur mitgeteilt, dass uns jemand mit dem Mietwagen abholt.

Wir sitzen bequem hinten und freuen uns am Wetter und der Landschaft; am Wegesrand sehen wir Menschen, die Weihnachtsbäume bei strahlendem Sonnenschein und 21 Grad Celsius kaufen.

„Amerikaner können keine Weihnachtsbäume schmücken. Sie hängen einfach so viel dran, wie geht“, erklärt uns die blonde Svenja, die mit neun Jahren aus Deutschland in die USA umsiedelte.

Wir unterhalten uns in schnellem Wechsel auf Deutsch und Englisch; von unserem kanadischen Bekannten erfahren wir, dass alle Deutschen überlaut „Gesundheit“ rufen, wenn jemand niest, und dass alle Deutschen immer einen Stift dabei haben.

Der Highway 280 ist atemberaubend und führt direkt an der Steilküste entlang. Wer sich auf dem iPhone das Symbol für die Karten-App anschaut, sieht darauf die Zahl 280 – das ist er, unser Highway!

Nee, der 280 geht durch die Berge. Der Highway Nr. 1 führt direkt an der Küste entlang. Atemberaubend schön ist es.

Sag ich doch. Und die Berge sind auch schön. Ständig denke ich: „Ich bin wieder 20.“ Als ob man sowas nur mit 20 erleben könnte und kurz darauf zu spießig wäre, um in einem roten Beatle an der Küste (und in den Bergen!) herum zu fahren.

Wir stoppen am Pescadero State Beach. Die Wellen brechen sich laut an den Felsen vorm Strand, der Ozean riecht nach Meer. Das Klo erfordert akrobatisches Geschick, um es zu benutzen.

In Santa Cruz führt uns unsere blonde Ortskundige an der Touristenmeile vorbei und fährt direkt zu einer Reihe chilliger Restaurants, deren Terrassen alle hinten zum Strand rausgehen. Lunchtime!

„When in Rome, do as the Romans do“, das Sprichwort beherzigend trinken wir alle, wie unsere californische Blondine, einen Margarita. Lecker!

Unsere beiden Amis erklären uns, dass sie lieber mit Deutschen als mit Amerikanern befreundet sind, weil wir immer ehrlich sagten, was wir meinen. Geht runter wie Öl, ein bisschen beschämt sind wir trotzdem und legen nach mit einem „Aber Amerikaner machen es einem leichter, in Kontakt zu kommen.“

Die Kellner widerlegen das gerade: Mit denen kommen wir nicht so leicht in Kontakt. Schließlich können wir alle bestellen und wenig später essen wir unseren Salat, Breakfastburritos, Tacos und Guacamole, Onionrings und Enchiladas. Wir sitzen draußen, die Sonne scheint uns ins Gesicht und der Ozean liegt vor uns. Und das Ende November. Die blonde Svenja bedauert, dass es in Californien keine echten Jahreszeiten gibt.

Ich bedaure gerade gar nichts. Die Jahreszeiten sind mir gerade so was von egal. Aber dann: Würde ich hier jeden Tag leben wollen? Vermutlich nicht.

Nein, jeden Tag möchte ich hier interessanterweise auch nicht leben. Ich freue mich, hier sein zu können, aber ich lebe im letzten sehr gerne in Deutschland.

Die nette Blondine will demnächst in Deutschland studieren. „Berlin!“, schreit Louis, der dort sieben Jahre lang gelebt und studiert hat. „Berlin!“, schreien auch wir. Und plötzlich reden wir alle über Berlin.

Und dann wieder über den Strand, über Deutschland, Familie, Beziehungen. Wir spazieren am Strand entlang. Der Ozean ist voller Surfer, sie surfen bis es dunkel wird. An der Promenade freuen wir uns über eine Siegerehrung für junge Surfer. Die Jungs und Mädels sind ab 5 Jahre alt. Die Kleinen hätten wir gerne beim Surfen gesehen, sind wir uns einig. Aber auch an Land sind sie eine Schau: cool, wie die Großen laufen sie herum.

Wir sind die Großen. Auch wenn wir alle nicht surfen. Ein wunderbarer Tag.

von Susanne und mir (Bilder: Susanne Pohl)

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3 Gedanken zu „„Auf der 280 nach Santa Cruz.“ „Nee, auf der 1.“

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