Max zieht um

4510468491_a0b58059a8Ich habe etwas sehr Verwerfliches getan: Ich habe einem Mädchen ein Kuscheltier geschenkt und seinem kleinen Bruder nicht. Zwar war ich ahnungslos, weil das Mädchen bruderlos war als ich ihm das Kuscheltier schenkte, aber Unwissenheit schützt vor schlimmen Auswirkungen nicht und so musste ich die Scherben meiner unpädagogischen Tat selbst zusammenkehren. Ausgerechnet der Berliner „Kinderteller“ hat mich gerettet!

„Warum hat Max einen schwarzen Hintern?“

Ich weiß nicht, ob ich das noch extra erwähnen muss, aber die Szene spielte sich im Waschsalon ab. Mit Tagebuch, Buch und Cafe au lait (heißt hier ganz einfach „Latte“) setzte ich mich in meinen Morgen-Waschsalon und freute mich auf eineinhalb Stunden Ruhe. Vor mir hatten allerdings schon eine Mutter samt Großmutter und zwei Kindern den Salon belagert und dabei geschätzte zwölf Trockner in Gebrauch: Neben Kleidung und Bettwäsche wurden auch Badematten, Teppiche und andere Textilien gewaschen, es war vermutlich der Jahres-Waschausflug einer mexikanischen Familie.

Natürlich war den Kindern langweilig, und wenn sie etwas zu viel herumpesten wurde das mit einem Klapps quittiert. Irgendwann ging die Oma mit dem dreijährigen Jungen weg und das etwa sechsjährige Mädchen langweilte sich noch mehr. Da fiel mir ein, dass ich noch ein Kuscheltier in der Tasche hatte (keine Fragen!) und ich schenkte es ihr. Die Kleine war begeistert, sie zeigt Max, dem Hamster, alle Waschtische und Waschtrommeln und ließ ihn über alle Maschinen sausen. Zwischendurch kam sie immer wieder zu mir und stellte mir Fragen: „Was hat Max für komische Haare im Gesicht?“ „Das ist ein Bart.“ „Cool, wie mein Vater?“ „Ja, aber anders.“ „Warum hat Max einen schwarzen Hintern?“ „Weil… ist doch ein hübscher Hintern.“ „Ist der gebrochen?“ „Öhm… Denkst du, dass er gebrochen ist?“ „Nee.“

Klappt immer: Bilder-Ratespiele

Dann kam die Großmutter samt Bruder zurück. Er war sofort furchtbar eifersüchtig (das Mädchen: „Schau mal, was ich habe! Gehört mir!“) und ich glaube, dass mir die Mutter ein paar entnervte Blicke zuwarf. Als die zwei sich eine Weile gezofft hatten, befahl die Mutter, dass nun auch mal der kleine Junge mit dem Hamster spielen dürfte. Das Mädchen war sauer und beleidigt, und mein schlechtes Gewissen wuchs minütlich. Krampfhaft überlegte ich, ob und was ich bei unserer Berliner Kinderarbeit „Kinderteller“ gelernt hatte. Und hatte den wunderbaren Geistesblitz, dass es immer die einfachsten Dinge waren, die am besten ankamen. Ich zückte mein Tagebuch (offline + old-fashioned) und fing an, Häuser und Blumen und Elefanten zu malen, die das Mädchen erraten sollte. Sie war sofort Feuer und Flamme und kurz darauf stand auch der Junge wieder bei uns (ohne Hamster).

Der Mutter schien die ganze Sache suspekt zu werden, sie schickte schließlich ihre Kinder samt Großmutter ins Auto. Vielleicht wollte sie, dass ich nicht noch mehr Schaden anrichte. Seitdem hat sich mein Traum vom Waschsalon erweitert: Der Waschsalon meiner Träume wird nicht nur ein niedliches Cafe samt Leseecke haben, sondern auch eine kreative Kinderecke, in der sich kein Kind dieser Welt jemals langweilen muss. Bewerbungen als Animateur werden gerne entgegen genommen.

Bild: sarahamina /flickr.com (CC BY-NC-SA 2.0)

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2 Gedanken zu „Max zieht um

  1. Ich bin dabei! Nicht als Animateurin, sondern natürlich als pädagogisch wertvolle Bildungsbegleiterin und parallele Elternberaterin…;-), Waschsalon und Kindercafe in einem -Traum!
    Und keine Sorge, Kinder überleben es, wenn sich Nicht-Mütter pädagogisch bedenklich benehmen. Bei mir gibts zum Beispiel immer Schokolade und Pommes für Kinder und so….
    Hast Du jetzt ein neues Kuscheltier (oder sogar zwei) in der Handtasche – für alle Fälle?
    Drück Dich von Herzen!

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