Stanford, Dorf meiner Kindheitsphantasien

2013-01-16 00.22.07Der Campus der Stanford Universität in Kalifornien gleicht einem Dorf, das ich mir als Kind manchmal vorgestellt habe: Grünflächen zum Sonnen und Rumtoben, Straßen ohne Autos (dafür mit Fahrrädern und Skateboards) und überall ausgelassene Kinder (in diesem Fall Studenten). Vielleicht komme ich in 40 Jahren nochmal hierher zurück, um mit meinen Enkeln ein Semester lang zu studieren und ihnen beim Skateboarden zuzusehen.

Ein Lob vorneweg: Vom Bahnhof in Palo Alto aus gibt es Shuttle-Busse, die Studenten und Menschen wie mich kostenlos über das Gelände der Stanford University fahren und rauslassen, wo immer man will. Ich habe mich einfach mittendrin ausspucken lassen, bin rumgeschlendert und fand mich plötzlich in dem längst vergessenen Kinderdorf meiner Kindheitsträume wieder: Hübsche Gebäude mit Springbrunnen und verwinkelten Gärten drum herum sowie riesigen Rasenflächen; Straßen, auf denen keine Autos fahren, aber man trotzdem um sein Leben fürchten muss, da rohe Studenten auf ihren Skateboards vorbei brausen oder auf dem Fahrrad in Dreierreihen (Fahrrad-Gangs!) die Straße für sich beanspruchen. Es ist sehr besonders, den Ort seiner Kindheitsphantasien in der Realität wiederzufinden!

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Und dann diese rührende Geschichte, die mir ein ehemaliger Stanford-Student erzählte: Die Stanford Universität entstand Ende des 19. Jahrhunderts, als die Westküste noch nicht erschlossen war und sich alle wichtigen Universitäten an der Ostküste befanden. Ein wohlhabende Ehepaar namens Stanford kam öfters in die Gegend von San Francisco, um hier Urlaub zu machen, auch weil ihr Sohn die bäuerliche Gegend sehr liebte. Nach dessen Schulzeit unternahmen die Eltern mit ihrem Sohn eine Reise nach Europa, bevor es ans Studium gehen sollte. Doch der Sohn starb in Italien an Typhus.

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Weil er ihr einziger Sohn gewesen war, beschlossen die Eltern, an seiner Statt die kalifornischen Kinder zu „adoptieren“ und ihnen eine Universität zu bauen, die sie nach ihm benannten: „Stanford Junior“. Das Gelände der Universität ist riesig und in der Stiftungsordnung verfügten die Eltern darüber, dass es nie verkauft werden dürfte. Deshalb kann man heute um Stanford herum wunderbar wandern und hat phantastische Ausblicke auf das gesamte Silicon Valley. Dabei heben sich die roten Dächer der Universität deutlich von der übrigen Landschaft ab. Es heißt, dass die Mutter auf rote Dächer bestand, damit ihr Sohn „seine“ Universität sehen kann, wenn er von oben herabblickt.

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Heute ist Stanford „eine der forschungsstärksten und renommiertesten Universitäten der Welt, (…) aktuell forschen an ihr 17 Nobelpreisträger, vier Pulitzerpreisträger und 24 MacArthur-Fellows“, weiß Wikipedia. „Seit 2008 erhebt Stanford keine Studiengebühren (tuition fees) mehr bei undergraduate students, deren Eltern weniger als 100.000 US-Dollar verdienen. Damit kann rund ein Drittel aller Bachelorstudenten gebührenfrei studieren.“ Es ist beeindruckend was geschieht, wenn sich Schmerz in einen neuen Weg verwandelt statt in Verbitterung zu enden und aus der Sinnlosigkeit eines Verlustes etwas Neues erwächst.

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Wie auf dem Kindergeburtstag… 🙂

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4 Gedanken zu „Stanford, Dorf meiner Kindheitsphantasien

  1. Vielleicht gründest du ja aus dem Schmerz heraus, dass es in Deutschland kein vergeichbares Zuckerbäckerland gibt, ein vergleichbares Zuckerbäckerland in Deutschland?

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