Wenn der Zufall spricht

Heute habe ich einen anderen Waschsalon als sonst gewählt. Ich brauche für Nachmittags-Waschgänge einen anderen Waschsalon als für Morgens-Waschgänge, es hängt mit dem Stand der Sonne zusammen. In den einen Waschsalon scheint die Morgensonne, in den anderen die Nachmittagssonne. Und Waschen und Sonne gehören für mich mittlerweile untrennbar zusammen. Im Waschsalon II. herrscht ein völlig anderes Klientel als in Waschsalon I., statt Einzelpersonen waschen hier ältere, mexikanische Männer grüppchenweise ihre Wäsche und tratschen wie die Waschweiber. Ein Pärchen nutzt die Waschzeit zum Schmusen. Streng genommen ist es die totale Ressourcen-Verschwendung, zu zweit in den Waschsalon zu gehen. Und genau deshalb so schön. Weiterlesen

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Waschechter Samstag

Gestern kam ich auf die Idee, meinen neuen Vermieter zu fragen, ob wir eigentlich eine Waschmaschine haben. Wir haben keine. Ich fragte ihn, ob er unser aller Wäsche dann etwa von Hand wäscht? Auch nein. Missmutig überlegte ich, ob ich doch lieber das Zimmer im ewigen Nebel und mit dem Rattenproblem hätte nehmen sollen. Dann marschierte ich in den nächstbesten Waschsalon. Und erlebte einen Samstag Morgen, wie er besser nicht hätte sein können. Weiterlesen

Alt? Ach Quatsch!

Letzte Woche waren wir mit zwei älteren Ehepaaren bei der Kieler Veranstaltung „Lichtschwimmer“ – völlig freiwillig, wir haben sie nicht betreut oder so. Seitdem frage ich mich, wie wir wohl sein werden, wenn wir alt sind. Und ob man gewisse Tendenzen verhindern kann, zumindest in eine Richtung steuern oder wenigsten graduell beeinflussen. Alt ist nicht gleich alt: Das merkt man vor allem dann, wenn man den direkten Vergleich hat. Weiterlesen

Es ist kalt – wir haben Winter! (Ode an Beatify)

Konnte es heute kaum erwarten, bis Mittagspause ist und ich endlich hinausflitzen kann. Nur schnell ein Ründchen um den kleinen Stadtparksee laufen und meine Heizungsluft gegen klirrend kalte Winterluft eintauschen. Winterspaziergänge sind eine herrliche Erfindung (von wem eigentlich?). Es ist eine völlig andere Welt, wenn eine weiße Watteschicht über allem liegt. Als hätte jemand, wie in der Werbung, den Grauschleier von den Klamotten gezogen. Noch sieht alles frisch und rein und jungfräulich aus, ohne gelbumrandete Pinkel-Löcher im Schnee. Der See ist eine strahlende, glatte Fläche, die Ruhe und Frieden ausstrahlt. Ich versuche, meine Gedanken still zu halten, habe aber keine Chance: Das sonnige Winterwetter samt Puderzuckerwelt regt alle Sinne an. Weiterlesen

Ein Lächeln, viele Tränen

Ich merke: Ich bin älter geworden. Das Alter anderer Menschen spielt keine Rolle mehr für mich. Früher hatte ich Freunde in meinem Alter und mich interessierten Menschen, die in meinem Alter waren. Nach meinem Gespräch mit Frau H. denke ich: Es ist so vollkommen irrelevant, wie alt Menschen sind. Sie berühren deine Seele – mit zwanzig, vierzig oder sechzig. Oder sie tun es nicht. Frau H. hat mich berührt. Wir haben uns kennengelernt, nachdem ich ihren Mann sprechen wollte und sie mir am Telefon sagte, dass er vor einiger Zeit verstorben ist. Es war eine wunderschöne Begegnung. Und es war vollkommen gleichgültig, dass sie hätte meine Mutter sein können und ich sie getröstet habe, obwohl sie ansonsten ihre eigenen Kinder in meinem Alter tröstet. Weiterlesen