Wenn der Zufall spricht

Heute habe ich einen anderen Waschsalon als sonst gewählt. Ich brauche für Nachmittags-Waschgänge einen anderen Waschsalon als für Morgens-Waschgänge, es hängt mit dem Stand der Sonne zusammen. In den einen Waschsalon scheint die Morgensonne, in den anderen die Nachmittagssonne. Und Waschen und Sonne gehören für mich mittlerweile untrennbar zusammen. Im Waschsalon II. herrscht ein völlig anderes Klientel als in Waschsalon I., statt Einzelpersonen waschen hier ältere, mexikanische Männer grüppchenweise ihre Wäsche und tratschen wie die Waschweiber. Ein Pärchen nutzt die Waschzeit zum Schmusen. Streng genommen ist es die totale Ressourcen-Verschwendung, zu zweit in den Waschsalon zu gehen. Und genau deshalb so schön. Weiterlesen

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Patriotismus im Gottesdienst

Heute habe ich zum ersten Mal erlebt, wie in den USA Glaube und Vaterlandsliebe zusammen kommen. Mittlerweile weiß ich, dass an diesem Wochenende der Kriegs-Vetereanen gedacht wird, was einiges erklärt. Zum Beispiel den Umstand, dass mir heute morgen im Gottesdienst (eine Freikirche) zwei Fahnen entgegen blicken: die eine mit Stars&Stripes, die andere mit einem christlichen Symbol. Zu Beginn des Gottesdienstes wendet sich die Gemeinde der amerikanischen Flagge zu, sagt ein patriotisches Bekenntnis auf, wendet sich der christlichen Flagge zu, sagt ein christliches Bekenntnis auf, und stimmt anschließend in das Lied „God bless America“ ein. Schwer zu verkraften für eine Deutsche. Weiterlesen

Dia de los muertos

Was für eine schaurig schöne Tradition: Jährlich zum „Dia de los muertos“ (Tag der Toten) gibt es in San Francisco eine Prozession, die von den eingewanderten Latein-Amerikanern stammt. Sie denken an diesem Tag an die Verstorbenen und feiern es auf eine Art und Weise, die westlich geprägte Menschen wohl kaum nachvollziehen können. Schon am Tag zuvor sehe ich in den Straßen meines mexikanischen Viertels liebevoll gestaltete Schreine stehen, auf denen Bilder von Verstorbenen gemeinsam mit Kerzen und Briefen an die Toten stehen. Befremdlich und berührend zugleich. Erschreckend ist, wie oft es sich dabei um junge Menschen handelt. Viele der Schreine sind auch verstorbenen Haustieren gewidmet. Weiterlesen

Sexismus in San Francisco

Busfahren in San Francisco ist zuweilen der Horror und bringt mich – glaubt es oder nicht – an meine Geduldsgrenzen. Ich trete dann gegen den Bordstein, stampfe wie eine Dreijährige und schimpfe wie ein Rohrspatz, wenn wieder ein Bus „out of order“ an mir vorbeifährt. Hier scheint jeder Bus kurz vor dem Auseinanderfallen zu sein, die Fahrt ist oft mittendrin zu Ende, weil sich die Tür nicht mehr schließt oder die Handbremse nicht mehr löst oder sonst irgendwas ist. Aber ich werde auch weiterhin Bus fahren. Zum einen aus Mangel an Alternativen (Fahrräder werden hier nur geklaut), zum anderen weil sich hier die wirklich interessanten Gespräche abspielen. Heute habe ich eine Menge über amerikanischen Sexismus gelernt. Weiterlesen

Kulturelle Patzer – Begrüßungsrituale

Neulich auf einer Wohneinweihungsparty: Ich betrete den Raum, sage „Hi“ in die Runde und dann: „Nice to meet you.“ Genau so, wie ich es in sieben Wochen USA-Aufenthalt gelernt habe. Um mich herum bricht nervöses Gekicher aus, einer sagt: „You mean all of us?“ Klar meine ich euch alle. Aber inzwischen habe ich gelernt: Diesen Satz darf man nur zu einer Person sagen. Man muss reihum gehen und es zu jedem einzeln sagen, so ein genereller, zeitsparender Rundumschlag kommt nicht so gut. Weiterlesen

Struppi und Tim

Waschtag! Erst mich, dann die Wäsche. Beides ist sauber geworden! Hab mich wieder mit Gebäck + Cafe Latte vor den Waschsalon gesetzt und mich unterhalten lassen. Mein heutiger Höhepunkt waren Struppi und Tim. So habe ich den Obdachlosen und sein kleines Hündchen getauft, an denen ich fast täglich vorbei laufe: Tim ist der Hund, Struppi sein Herrchen. Er hat herrlich lange, verfilzte Haare und ruft mir auch dann Nettigkeiten hinterher, wenn ich ihm nichts gebe, was meistens der Fall ist. Leider ist er meistens angetrunken, aber das macht ihn nicht depressiv oder aggressiv sondern äußerst redselig. Weiterlesen

English sucks

Seltsames Phänomen: Mein Englisch wird von Tag zu Tag schlechter. Ich schäme mich und bin frustriert. Was ist mit meinem Gehirn los, warum weigert es sich, Worte zu lernen? Ich bin seit sechs Wochen hier und habe no single word dazu gelernt. Von Grammatik oder eleganten Satzwendungen ganz zu schweigen. Wenn das so weitergeht, spreche ich im nächsten Monat weniger Englisch als in der sechsten Klasse. Weiterlesen